Off-Topic: Fotografische Weiterentwicklung

Der Titel „Fotografische Weiterentwicklung“ darf auf keinen Fall falsch verstanden werden. Weder geht es darum zu zeigen, wie man das perfektes Bild fotografiert, noch geht es darum zu zeigen, wie sich die Fotografie in den letzten Jahren allgemein weiterentwickelt hat. Nein, es geht lediglich darum zu zeigen, wie ich(!) stets „bemüht“ war und es immer noch bin, mich fotografisch weiterzuentwickeln.

Viele Leser finden meine Bilder ansprechend und fragen nach meinem Kamera-Equipment. Wenn ich dann zur Antwort gebe, dass ich meine heutige Kamera inklusive Objektiv für nur 115 Euro bei ebay-Kleinanzeigen erworben haben, sind einige sehr enttäuscht, weil sie sich viel mehr darunter vorgestellt hätten.

Die folgenden bescheidenen Zeilen sind für diejenigen gedacht, die ebenfalls ihr Essen so gut es geht in Szene setzen wollen, ohne großartig Rücksicht auf die Tageszeit zu nehmen und viel Geld ausgeben zu müssen.

Wie alles begann (2008 – 2011) – Canon DIGITAL IXUS 400

Als ich 2006 meinen ersten Kugelgrill bekam und mich in Nackensteaks & Co. übte, kam langsam aber sicher das Verlangen durch, mehr mit dem Allrounder unter den Grills anstellen zu wollen. Nach diversen Recherchen im Internet fand ich das Forum des Grillsportvereins. Dort war es üblich sein Essen zu fotografieren und online zu stellen. Kein Problem dachte ich mir und schoss meine ersten Fotos mit der Canon DIGITAL IXUS 400. Die damals schon 2 Jahre in meinem Besitz befindliche Kamera kostete ursprünglich sage und schreibe 579 Euro und besaß eine Auflösung von 4 Megapixeln. Die nur Zigarettenschachtelgroße Kamera besaß ein Edelstahlgehäuse und schoß sehr gute Bilder. Leider ging sie im Jahre 2011, also nach ca. 5 Jahren Einsatz kaputt.

Man kann auf dem folgenden Bild erkennen, dass ich auf die vielen Details „drumherum“ nicht schaute. Die rechte Flasche, der obere Teller, der linke Stuhl und das Besteck im unteren Bereich störten.

01_2008_06_Canon DIGITAL IXUS 400

Canon DIGITAL IXUS 50 (2011 – 2012)

Mit den sehr guten Erfahrungen der IXUS 400, erwarb ich im Jahre 2011 die Canon DIGITAL IXUS 50. Ich hatte sie gebraucht für einen Preis von nur 150 Euro erworben und versprach mir mindestens so gute Ergebnisse wie mit der IXUS 400. Leider traf das in der Realität nicht ganz zu, sodass gerade bei Aufnahmen mit wenig Licht ein sehr starkes Rauschen aufkam.

02_2011_08_Canon DIGITAL IXUS 50

iPhone 4 (2012)

Parallel zur Canon DIGITAL IXUS 50 verwendete ich zum Fotografieren ebenfalls das iPhone 4. Auch diese Ergebnisse konnten nicht so recht überzeugen. Die Auflösung war zu gering und die Optik nicht ausreichend.

03_2012_03_iPhone 4

iPhone 5 (2012 – 2016)

Ganz anders sah bzw. sieht die Bildqualität des iPhone 5 aus. Diese ist meines Erachtens so lange ansprechend, wie ausreichend Licht zur Verfügung steht. Die meisten Bilder dieses Blogs wurden übrigens bis ca. 2014 mit dem iPhone 5 geschossen, danach nur noch vereinzelt.

Auf den folgenden 3 Bildern sind kräftige aber natürliche Farben und scharfe Details zu erkennen.

04_2013_07_iPhone 5 4

Im folgenden Bild wurde der selbstgegrillte Hamburger Royal TS absichtlich von sehr Nahem aufgenommen. Dadurch ergibt sich wenig Schärfentiefe – der Hintergrund wird somit unscharf und lenkt nicht vom Hauptdarsteller, dem Burger, ab.

05_2014_02_iPhone 5 1

Auch im Folgenden Bild ist der mittlere Muffin Pan Chicken sehr scharf zu erkennen. Die anderen „Törtchen“ erscheinen wiederum unscharf.

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Um Details mit einem Smartphone aufnehmen zu wollen, muß man sehr nah an das Objekt heran. Im Falle dieses Steaks im Caveman Style kann das Smartphone jedoch schonmal sehr heiß werden und im ungünstigsten Fall Schaden von sich tragen. Alternativ ist von Vorteil, ein Smartphone mit sehr hoher Auflösung zu verwenden. In einem hochaufgelösten Bild lässt sich mithilfe eines Bildverarbeitungsprogramms im Nachhinein ohne Probleme hereinzoomen – der Ausschnitt kann also erst später bestimmt werden.

07_2013_06_iPhone 5 2

Canon EOS 450D mit Objektiv Canon EF 50mm 1:1.8 II (2014 – 2016)

Fasziniert von Bildern mit wenig Schärfentiefe, machte ich mich 2014 auf die Suche nach einer entsprechenden Spiegelreflexkamera. Da ich auch beruflich schon mit Kameras von Canon arbeitete und mich ungern in der Bedienung umgewöhnen wollte, stand der Hersteller schonmal fest. Dann ging es an die Auswahl eines geeigneten Objektives. Auch dieses war sehr schnell gefunden. Ich entschied mich für das lichtstarke Festbrennweiten-Objektiv Canon EF 50mm 1:1.8 II, welches ich bis heute noch verwende. Dazu sollte eine passende Kamera gefunden werden. – Gebraucht und nicht zu teuer. Bei ebay-Kleinanzeigen fand ich mehrere Canon EOS 450D mit meinem Wunschobjektiv, dem Canon EF 50mm 1:1.8 II. Die Preise lagen zwischen 115 Euro und 165 Euro. Rein Zufällig war die Kamera mit den wenigsten Auslösungen (erst 2.000) am günstigsten, sodass ich sofort zugeschlagen hatte.

Die Ergebnisse des lichtstarken Objektives konnten sich auf Anhieb sehen lassen. Die Ergebnisse – geringe Schärfentiefe und haarscharfe Details – waren genau das, wonach ich im Vorfeld Ausschau hielt.

08_2014_03_Canon EOS 450D_1

Auch im folgenden Bild gut zu erkennen: Scharfer Hauptdarsteller mit unscharfem Hintergrund.

09_2015_04_Canon EOS 450D_4

Mittlerweile hatte ich mir auch schon angewöhnt, Accessoires wie Salz u. ä. in meinen Bildern wirken zu lassen.

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Der Nachteil eines Festbrennweiten-Objektivs liegt auf der Hand. Möchte ich Dinge näher fotografieren, muss ich dem Objekt entgegentreten. Möchte ich einen größeren Ausschnitt fotografieren, muss ich mich dem Objekt entfernen. Der Fotograf mit Festbrennweite ist ggf. also immer in Bewegung, da er keinen im Objektiv eingebauten Zoom vorfindet. Sich vom Motiv zu entfernen ist manchmal gar nicht so einfach. Soll das Objekt von oben fotografiert werden und ist es wie im folgenden Bild entsprechend großflächig, hilft manchmal nur der Gang auf eine Trittleiter, um genug Abstand zu erhalten.

11_2015_10_Canon EOS 450D_5

Der Einsatz von entfesselten Blitzen

Egal wie lichtstark das zuvor erwähnte Objektive Canon EF 50mm 1:1.8 II zu sein scheint, Licht ist durch nichts anderem zu ersetzten als durch Licht. Ist zu wenig Licht vorhanden, kann der ISO-Wert erhöht werden. Leider fängt es bei der in die Tage gekommenen Canon EOS 450D schon bei ISO 400 deutlich an zu rauschen. Deshalb rate ich anstelle den ISO-Wert zu sehr zu erhöhen, eher zum Einsatz eines geeigneten Blitzes. Leider führt der eingebaute Blitz der Kamera nicht immer zum gewünschten Ergebnis, da dieser das Motiv oft „totblitzt“, es also flach erscheinen lässt.

Kaum vorzustellen aber das folgende Steak wurde nicht in der Sonne, sondern in einer dunklen Küche aufgenommen. Der Blitz kam von links oben, die Fotografie wurde von vorne ausgelöst.

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Das Setup sah ähnlich dem des folgendem Bildes aus. Von oben-rechts simuliert ein entfesselter Blitz die Sonne, von hinten hellt ein weiterer Blitz den Hintergrund etwas auf bzw. setzt Glanzpunkte und verschafft dem Motiv eine gewisse Tiefe.

13_IMG_2743

Das Ergebnis sieht in etwa so aus.

14_2016_07_Canon EOS 6D_005_Früchte von oben

Wer sich wundert, wo auf einmal dieser hübsche Hintergrund herkommt. – Dieser besteht aus einem 8 Euro günstigen Paket Rauhspund aus dem Baumarkt, welcher anschließend mit einer Lasur abgedunkelt wurde. Alternativ kann auch Tapete, Laminat, Parkett, Linoleum, Stoffe o. ä. verwendet werden.

15_2016_07_Canon EOS 6D_IMG_8248

 Die entfesselten Blitze (seit Juli 2016)

Auf Empfehlung meines freundlichen Arbeitskollegen Andre, erwarb ich folgendes Equipment.

– 2 x Yongnuo OS02037 YN-560 Mark III Systemblitz mit integriertem Funkauslöser
– 2 x Lampenstativ Blitzstativ mit Federung (220cm) ayex GSC-220
– 1 x Yongnuo YN560-TX Wireless-Flash-Controller-und Steuerungsgerät für YN-560 III YN-560 TX YN560TX Speedlite Canon DSLR-Kameras

Auf der Kamera wird der Wireless-Flash-Controller aufgesetzt und steuert die beiden entfesselten Blitze. Die Intensität des jeweiligen Blitzes u.v.m. kann zentral an dem Controller eingestellt werden. Mit dieser Ausstattung ist es auch ganz einfach möglich, im Schuppen oder in der Garage ansprechende Bilder, selbst bei Dunkelheit, zu fotografieren.

Das folgende Setup sieht so aus: Vier Objekte stehen an der vorderen Kante des selbstgebauten Hintergrundes, welcher auf einer Werkbank liegt. Das Blitzlicht zum Aufhellen kommt von oben rechts, ein weiteres Blitzlicht scheint von hinten nach oben an die Decke.

16_IMG_2750

Canon EOS 6D (Teststellung Juli 2016)

Anfang Juli 2016 bot mir der Kamerahersteller Canon die Möglichkeit, für 4 Wochen lang die Canon EOS 6D zu testen. Die Kamera wurde auf meinen Wunsch hin mit dem nackten Buddy, also ohne Objektiv geliefert, da ich mein vorhandenes Canon EF 50mm 1:1.8 II weiterverwenden wollte. Einer der vielen Besonderheiten bzw. Vorteile der EOS 6D ist der Vollformat-Sensor. Die Vorteile liegen auf der Hand:
– Das Bildrauschen ist geringer
– Durch die höhere Auflösung entsteht mehr Detailreichtum, Brillanz und Dynamik
– Die wahre/echte Brennweite des Objektives muss nicht umgerechnet werden (Stichwort: Crop-Faktor)
– u.v.m.

Bildcredit: www.canon.de

Bildcredit: www.canon.de

Mit der o. a. Kombination aus der Canon EOS 6D und den entfesselten Blitzen schoß ich bei Nacht im Schuppen folgende Bilder.

An der Kamera wurden jeweils diese Einstellungen getätigt:
– ISO 100
– Blende F 5.6
– Belichtungszeit 1/200 Sekunde

Ergebnis ohne Blitz.

17_2016_07_Canon EOS 6D_001_erster Test ohne Blitz

Ergebnis mit Blitz von oben.

18_2016_07_Canon EOS 6D_002_zweiter Test mit Blitz von rechts

Ergebnis mit Blitz von oben und von hinten.

19_2016_07_Canon EOS 6D_003_dritter Test mit Blitz von rechts und hinten

Am Yongnuo YN560-TX Wireless-Flash-Controller-und Steuerungsgerät, welcher auf dem Blitzschuh der Kamera steckt, können die Blitze sehr schnell konfiguriert werden.

23_IMG_2751

Auf dem Stativ „Lampenstativ Blitzstativ mit Federung (220cm) ayex GSC-220“ gesetzten „Yongnuo OS02037 YN-560 Mark III Systemblitz mit integriertem Funkauslöser“ wurden folgende Einstellungen getätigt.

21_IMG_2754

Der 2. Blitz im Hintergrund wurde wie folgt eingestellt.

22_IMG_2753

Des Weiteren fotografierte ich mit der o. a. Kombination folgende Bilder, mit denen ich per se erst einmal völlig zufrieden bin.

24_2016_07_Canon EOS 6D_IMG_8333

25_2016_07_Canon EOS 6D_IMG_8373

Das folgende Waffelbild wurde zu Mitternacht fotografiert. Mit der o. a. Fotoausrüstung bin ich fortan unabhängiger von der Tageszeit.

26_2016_07_Canon EOS 6D_IMG_8424

Ich weiß nicht so genau warum aber die Bilder sehen unter den gegebenen, teils schlechten Lichtbedingungen einfach sehr gut aus. Das hätte meine Canon EOS 450D auf keinen Fall so hinbekommen.

27_2016_07_Canon EOS 6D_IMG_8484

Ein weiterer Vorteil der Vollformat-Kamera Canon EOS 6D ist, dass hohe ISO-Werte verwendet werden können, ohne das es zu sehr starken Bildrauschen kommt. Das folgende Parmesan-Bild wurde in der dunklen Küche ohne Blitz mit einem ISO-Wert 1600 fotografiert.

28_2016_07_Canon EOS 6D_IMG_8509

Das war zusammengefasst die Antwort auf die häufige Leserfrage: „Wie fotografierst du eigentlich deine Bilder und welches Equipment nutzt du dazu?“ Wie ihr seht, habe ich mich ohne großen Aufwand über die letzten Jahre hinweg Schritt für Schritt etwas weiterentwickelt.

Wie geht es weiter?

Ich werde mir zukünftig noch einige Alternativ-Hintergründe basteln, um meine Fotografien abwechslungsreicher erscheinen zu lassen. Des Weiteren werde ich mich noch viel mehr mit den entfesselten Blitzen beschäftigen müssen, um noch bessere Ergebnisse zu bekommen. Wichtig ist auch der Einsatz von Accessoires, wie Kerzen, Besteck, Blumenvase usw. – Diese vergesse ich immer sehr oft in meinen Fotografien.

Das Wichtigste zum Schluss. Die Canon EOS 6D hat mich in der recht kurzen Testzeit schlichtweg umgehauen. Sie liegt griffig in der Hand, ist einfach in der Bedienung und bringt Top-Ergebnisse. Es fällt mir unwahrscheinlich schwer, sie nach der Testphase wieder zurückschicken zu müssen. Priorität Nummer eins ist es für mich nun, für eine solche Kamera das Geld zusammen zu sparen und sie mir zu kaufen.

Vielen Dank an Canon für die Bereitstellung des Testgerätes.